20.05.2026: Konfliktzone All: Neue sicherheitspolitische Herausforderungen im Weltraum mit Dr. Antje Nötzold

Bei einem Vortrag mit anschließender Diskussion analysierte Dr. Antje Nötzold die rasant wachsende geopolitische und strategische Bedeutung des Weltraums. Gleich zu Beginn des Abends machte sie deutlich, dass der Orbit längst von einem wissenschaftlichen Sehnsuchtsort zu einer kritischen Infrastruktur für die gesamte Menschheit geworden ist. Die Nutzung des Weltraums unterteilte sie dabei in zwei fundamentale Säulen: Bezüglich der zivilen Bedeutung unterstrich sie, dass unsere hochtechnologisierte Gesellschaft im Alltag überhaupt erst durch Satellitendaten funktionsfähig bleibt – von Logistikketten über Finanzströme bis hin zur Klimaforschung. Für den militärischen Bereich hob sie hervor, dass der Weltraum als der entscheidende Multiplikator moderner Sicherheitsarchitekturen agiert. Dabei betonte sie, dass sich die strategische Handlungsfähigkeit von Streitkräften heute im Wesentlichen auf drei Säulen stützt: die globale Satellitenkommunikation (SATCOM), die präzise Navigation (PNT) für Truppen und Waffensysteme sowie die kontinuierliche Aufklärung (ISR) aus dem All.

 

Daran anknüpfend legte sie dar, dass sich dieser sensible Raum in einem historischen Transformationsprozess befindet. Als einen zentralen Faktor identifizierte sie die fortschreitende Internationalisierung und Kommerzialisierung, die unter dem Begriff „New Space“ bekannt ist. In diesem Kontext wies sie darauf hin, dass die Startkosten für Satelliten durch private Akteure massiv – um rund 90 Prozent – gefallen sind. Dies treibe die globale Raumfahrtwirtschaft an, für die sie bis zum Jahr 2035 ein Volumen von über 1,3 Billionen Dollar prognostizierte. Gleichzeitig warnte sie jedoch vor der Kehrseite dieser Entwicklung: Es komme zu einer extremen Verdichtung im erdnahen Orbit, die vor allem durch Megakonstellationen wie Starlink vorangetrieben wird. Da es bislang jedoch an einem verbindlichen Space Traffic Management fehlt und die internationale Reglementierung völlig unzureichend ist, wachsen die Risiken für Kollisionen und Weltraumschrott dramatisch.

 

Zudem legte Dr. Nötzold überzeugend dar, dass der Orbit die geopolitischen Realitäten der Erde widerspiegelt und zunehmend zum Schauplatz von Systemkonflikten wird. Sie machte deutlich, dass die bisherige Dominanz der USA im Weltraum zunehmend herausgefordert wird, während sich eine klare geopolitische Blockbildung abzeichnet. Auch das Potenzial künftiger Ressourcenkonflikte, etwa durch den beginnenden Weltraumbergbau, rücke damit näher. Besonders besorgt zeigte sie sich angesichts des Wettrüstens im All; in diesem Zusammenhang verwies sie auf die gefährliche Zunahme sogenannter „Counterspace Capabilities“ – also von Fähigkeiten wie Antisatellitenwaffen oder Cyberangriffen, die darauf abzielen, die Infrastruktur des Gegners gezielt zu stören oder zu zerstören.

 

Aus dieser tiefgreifenden Analyse leitete Dr. Nötzold schließlich dringende und klare Aufforderungen an die europäische Politik und Wirtschaft ab. Sie plädierte nachdrücklich dafür, dass demokratische Staaten dringend resilienter und unabhängiger werden müssen, um im Krisenfall nicht erpressbar zu sein. Dies, so betonte sie, bringe unweigerlich einen deutlich höheren finanziellen Anspruch mit sich, da beträchtliche Investitionen nötig seien. Einen strategischen Schlüssel sah sie im Übergang von teuren Einzelstücken hin zur industriellen Massenfertigung von Satelliten, um Netze schnell aufbauen und Ausfälle sofort kompensieren zu können. Abschließend forderte sie, eigene Fähigkeiten und souveräne Kapazitäten entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom eigenen Weltraumbahnhof bis zur Trägerrakete – konsequent aufzubauen, um die strategische Autonomie für die Zukunft zu sichern.

16.04.2026: Die politische Ökonomie des russischen Krieges gegen die Ukraine mit Dr. Ivan Bakalov

In seinem Vortrag am 16.04. beleuchtete Dr. Ivan Bakalov den russischen Krieg gegen die Ukraine aus wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Sicht. Im Zentrum stand dabei die Frage, wie Krieg, Wirtschaft und soziale Strukturen zusammenwirken und das russische System verändern.

Bakalov zeigte, dass sich der Krieg immer mehr zu einem Abnutzungskrieg entwickelte. Gleichzeitig änderte Russland jedoch auch seine Rekrutierungsstrategie: Statt vor allem auf Mobilisierung zu setzen, wurden zunehmend finanzielle Anreize genutzt, um Menschen für den Krieg zu gewinnen.

In diesem Zusammenhang führte Bakalov das Konzept der „Kommodifizierung der Gewalt“ ein: Gewalt wurde wie eine Ware organisiert und bezahlt. Vor allem Menschen mit schlechten wirtschaftlichen Perspektiven wurden gezielt rekrutiert und ihre Arbeit im Krieg ökonomisch nutzbar gemacht.

Dadurch entstand eine neue soziale Gruppe innerhalb der Arbeiterklasse. Sie verfügte über vergleichsweise hohe Einkommen, eigene Erfahrungen und neue soziale Netzwerke. Diese Gruppe stabilisierte einerseits das System, weil sie den Krieg mittrug, entwickelte andererseits aber auch neue Ansprüche auf Anerkennung, Ressourcen und politische Teilhabe.

Abschließend machte Bakalov deutlich, dass genau darin ein zentrales Problem liegt: Je stärker Russland auf Kriegswirtschaft und Rekrutierung setzt, desto größer werden auch die inneren Spannungen. Der Krieg wirkt deshalb zugleich stabilisierend und destabilisierend für das russische System.

 

Wir bedanken uns herzlich für die zahlreiche Teilnahme und freuen uns darauf, euch auch bei zukünftigen Veranstaltungen wiederzusehen! :)

26.02.2026: Exkursion zum Landeskommando Sachsen

 Am 26.02.2026 durften wir das Landeskommando Sachsen bei einer spannenden Exkursion besuchen.

 

Um 10:00 Uhr starteten wir mit einer Führung durch Stabsfeldwebel Kmoch. Zunächst bekamen wir Einblicke in die modernen Bereiche der Kaserne – vom Hauptgebäude mit der Verwaltung bis zu den Sportstätten der Soldatinnen und Soldaten. Anschließend ging es in den historischen Teil des Standorts. Einige Gebäude stammen noch aus der Kaiserzeit und zeigen eindrucksvoll die lange militärische Tradition vor Ort.

 

Beim gemeinsamen Mittagessen hielt Oberstleutnant Jahn einen Vortrag über die Aufgaben und die Rolle des Landeskommandos. Themen waren unter anderem der Bündnis- und Verteidigungsfall (z. B. OPLAN Deutschland) sowie die zivil-militärische Zusammenarbeit, etwa im Katastrophenschutz.

04.02.2026: Cybersicherheit und Schutz kritischer Infrastrukturen

Am 4. Februar 2026 fand unsere Veranstaltung „Cybersicherheit und Schutz kritischer Infrastrukturen“ statt. Ziel der Veranstaltung war es, einen kompakten Überblick über die aktuelle Cybersicherheitslage zu geben und zentrale Herausforderungen beim Schutz Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) zu beleuchten. Den fachlichen Input lieferte Dr. Florian Seiller, Referent im Referat K 24 – Strategien und neue Ansätze der Informationssicherheit beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

 

Zu Beginn stellte Dr. Seiller das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) als zentrale Cybersicherheitsbehörde des Bundes vor. Das BSI agiert an der Schnittstelle von Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft und deckt dabei das gesamte Spektrum von Prävention, Detektion und Reaktion ab. Zu den Kernaufgaben zählen unter anderem das Nationale IT-Lagezentrum, der CERT-Bund, die Entwicklung technischer Richtlinien, Zertifizierungen sowie die Beratung und Unterstützung von Behörden und Unternehmen. Mit rund 1.790 Stellen und einem Haushalt von über 230 Millionen Euro nimmt das BSI eine Schlüsselrolle beim Schutz der Cybersicherheit in Deutschland ein.

 

Im zweiten Teil des Vortrags ging Dr. Seiller ausführlich auf die aktuelle Lage im Cyberraum ein. Diese sei weiterhin angespannt und durch geopolitische Entwicklungen stark beeinflusst. Konflikte wie der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, das Hegemonialstreben Chinas, der Nahostkonflikt sowie die veränderte Rolle der USA wirkten sich unmittelbar auf die Cyberbedrohungslage aus. Cyberangriffe sind dabei zunehmend Teil hybrider Bedrohungen, bei denen staatliche Akteure Cyberoperationen, Desinformation, Spionage und Sabotage gezielt miteinander kombinieren.

 

Besonders hervorgehoben wurde, dass Deutschland im internationalen Vergleich weiterhin ein attraktives Ziel für Cyberangriffe darstellt. Angreifer konzentrieren sich gezielt auf ungenügend geschützte Angriffsflächen, etwa veraltete Systeme oder öffentlich erreichbare Dienste. Trotz Erfolgen internationaler Strafverfolgungsbehörden nehmen die Ausnutzung von Schwachstellen, Datenexfiltration und die Veröffentlichung gestohlener Daten weiter zu. Auch die Aktivitäten sogenannter Advanced Persistent Threats (APT) bleiben auf hohem Niveau.

 

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Ransomware-Angriffen, die nach wie vor eine der größten Bedrohungen darstellen. Diese sind zunehmend mit erpresserischen Datenleaks verbunden. Zwar sinkt die Bereitschaft zur Zahlung von Lösegeld, gleichzeitig steigen jedoch die durchschnittlichen Lösegeldforderungen deutlich an. Zudem wurde auf die wachsende Zahl infizierter IoT-Geräte hingewiesen, die zusätzliche Angriffsflächen schaffen. Dr. Seiller betonte in diesem Zusammenhang, dass viele Organisationen ihre eigene IT-Sicherheitslage überschätzen und notwendige Schutzmaßnahmen – insbesondere im Bereich Prävention und Detektion – nicht ausreichend umsetzen.

 

Als zentrale Schlussfolgerung aus der Bedrohungsanalyse stellte Herr Dr. Seiller die Resilienz in den Mittelpunkt. Angreifer suchen gezielt nach leicht angreifbaren Zielen mit geringer Widerstandsfähigkeit. Daher müsse das Management der eigenen Angriffsflächen als fester Bestandteil eines umfassenden Risikomanagements verstanden werden. Das BSI unterstützt diesen Ansatz durch spezialisierte Warnmeldungen, Sicherheitsinformationen und technische Unterstützung.

 

Im dritten Teil widmete sich der Vortrag dem Schutz Kritischer Infrastrukturen (KRITIS). KRITIS sind Organisationen und Einrichtungen, deren Ausfall erhebliche Versorgungsengpässe oder Gefährdungen der öffentlichen Sicherheit zur Folge hätte. Für diese Bereiche stellen insbesondere DDoS-Angriffe, Ransomware und KI-generiertes Phishing die größten Cyberbedrohungen dar. Das BSI nimmt hier eine doppelte Rolle ein: als Aufsichtsbehörde im Rahmen des BSI-Gesetzes sowie als Partner, der Betreiber durch Kooperation, Beratung und Unterstützung bei der Stärkung ihrer Cyberresilienz begleitet. Der Schutz kritischer Infrastrukturen wurde dabei ausdrücklich als Gemeinschaftsaufgabe von Staat und Wirtschaft beschrieben.

 

Abschließend ging Dr. Seiller auf die NIS-2-Richtlinie ein, die das Ziel verfolgt, das Cybersicherheitsniveau innerhalb der EU zu harmonisieren und anzuheben. Mit der nationalen Umsetzung wird der Kreis der regulierten Einrichtungen deutlich erweitert. Künftig fallen rund 29.000 „wichtige“ und „besonders wichtige“ Einrichtungen unter die Aufsicht des BSI. Diese unterliegen neuen Registrierungs-, Melde- und Risikomanagementpflichten. Zudem werden Pflichten der Geschäftsleitungen stärker betont, etwa in Bezug auf Haftung, Schulungen und die Überwachung von Sicherheitsmaßnahmen.

 

Die Veranstaltung machte deutlich, dass Cybersicherheit längst kein reines IT-Thema mehr ist, sondern eine strategische und gesellschaftliche Herausforderung darstellt. Der Vortrag bot den Teilnehmenden einen fundierten und praxisnahen Überblick über aktuelle Bedrohungen, regulatorische Entwicklungen und die zentrale Rolle von Resilienz beim Schutz Kritischer Infrastrukturen.

 

14.01.2026: Let’s talk South Caucasus: Exploring recent political and social developments in the region

Am 14.01.2026 fand unsere Veranstaltung in diesem Jahr “Let’s talk South Caucasus: Exploring recent political and social developments in the region” statt. 

Ziel der Veranstaltung war es, ein differenziertes Bild der aktuellen sozialen und politischen Entwicklungen im Südkaukasus zu zeichnen und die Rolle Europas in dieser geopolitisch sensiblen Region zu beleuchten. Studierende aus verschiedenen Fachrichtungen diskutierten engagiert über die Situation in Armenien, Aserbaidschan und Georgien – Länder, die sich zwischen europäischer Integration, regionalen Konflikten und russischem Einfluss behaupten müssen.

 

Aserbaidschan – Energiepolitik und europäische Beziehungen

Der erste Diskussionsteil widmete sich Aserbaidschan. Besonders hervorgehoben wurden die engen wirtschaftlichen und energiepolitischen Verflechtungen des Landes mit der Europäischen Union. Aserbaidschan hat sich zu einem zentralen Akteur in der europäischen Energieversorgung entwickelt, zugleich aber steht die Regierung wegen autoritärer Tendenzen und Menschenrechtsfragen in der Kritik.

 

Armenien – Zwischen Abhängigkeit und europäischer Annäherung

Im Anschluss folgte eine intensive Auseinandersetzung mit der Lage in Armenien. Im Mittelpunkt stand die wachsende Entfremdung von Russland, die sich besonders nach dem fehlenden militärischen Beistand Moskaus im Konflikt um Bergkarabach 2022 verstärkte. Die Teilnehmenden betonten Armeniens Bemühungen, seine Souveränität zu wahren und neue sicherheitspolitische Anker in Europa zu finden. Die EU habe in den letzten Jahren eine deutliche sicherheitspolitische Präsenz aufgebaut – etwa mit der EU-Beobachtungsmission und verstärkter militärischer Kooperation im Rahmen der Europäischen Friedensfazilität (EPF). Trotz eines weiterhin hohen Handelsanteils mit Russland wurde Armeniens zunehmende Orientierung am Westen als strategischer Schritt hin zu politischer Stabilität und wirtschaftlicher Diversifizierung bewertet. Ein weiterer Schwerpunkt war die Rolle Armeniens im sogenannten Middle Corridor, einer wichtigen Handelsroute zwischen Asien und Europa, die im Rahmen europäischer Sicherheitsinteressen besondere Bedeutung gewinnt.

 

Georgien – Protestbewegung und europäische Perspektiven

Der dritte Themenblock richtete den Blick auf Georgien, wo anhaltende Proteste gegen die Regierung und deren umstrittenes „Agentengesetz“ die öffentliche Debatte prägen. Viele Teilnehmende sahen in dieser Bewegung einen Ausdruck des starken gesellschaftlichen Wunsches nach europäischer Integration. Trotz politischer Spannungen und des Einflusses Russlands auf Teile der georgischen Elite wurde betont, dass die Bevölkerung selbst klar proeuropäisch eingestellt sei. Die EU-Beitrittsperspektive Georgiens blieb ein zentrales Thema: Während der Kandidatenstatus als wichtiger Schritt gewertet wurde, sind weitere Reformen in den Bereichen Demokratie, Pressefreiheit und Rechtsstaatlichkeit entscheidend, um diesen Weg fortzusetzen.

 

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